An unserem letzen korsischen Abend haben wir es uns im Restaurant unseres Campingplatzes nochmal richtig gut gehen lassen. Das hier war der gebackene Ziegenkäse (Chèvre Chaud, eine Vorspeise), den sich meine liebe Frau bestellt hatte:
Nachts war unser Pool zwar nicht bevölkert aber doch beleuchtet:
Am darauffolgenden Morgen (wir schruben den 4. Juni, Anm. d. Red.) haben wir unsere restlichen Sachen ins Auto verfrachtet und sind losgefahren nach Bastia. Mei, was hab ich geschaut, als die Straße kurz vor Bastia tatsächlich zweispurig und zur Autobahn wurde! Ich hatte mich schon so an das urlaubsfördernde 50-70-90 gewöhnt!
Unsere Fähre nach Genua, die Moby Corse, ist um 11.00 Uhr losgefahren. Die Corsica-Ferries-Fähre hier auf dem Bild dürfte diejenige gewesen sein, die später am Tag (um halbzwei) nach Livorno gefahren ist.
Und das hier, meine Damen und Herren, ist die Costa Concordia. Die wurde ja nach dem Absaufen und der anschließenden Aufrichteaktion vor der Insel Giglio “in den Hafen von Genua geschleppt”, wie es die Medien rauf und runter meldeten. Ich habe dabei immer an einen Industriehafen abseits der öffentlich zugänglichen Bereiche gedacht, aber dem ist eben nicht so. Mit der Fähre fährt man nur ein paar Meter fuffzich dran vorbei!
Wieder auf dem Festland, sind wir “in umgekehrter Reihenfolge” wieder nach Hause gefahren; wie schon eingangs berichtet.
Schön war’s, und wenn ich meine Familie so höre, war das auch nicht der letzte Aufenthalt auf Korsika. Mal sehen, was mein Geldbeutel dazu meint …
Ich hatte zwar vor unserem Korsikaurlaub schonmal das Wort “Gumpen” gehört, wusste aber nur, dass das irgendwas mit Wasser zu tun hat. Die nette Wikipedia weiß mehr: Eine Gumpe ist ein beckenartiger Strudeltopf eines Gebirgsbachs.
Korsika scheint so etwas wie die ursprüngliche Heimat aller Gumpen zu sein, denn die Flüsse sind (zwangsläufig) kurz und vergleichsweise steil. Wir haben uns an den Fiumicelli ran gewagt, der bei Solenzara in das Thyrrenische Meer mündet und die natürliche Grenze zwischen den Departements Haute-Corse und Corse-du-Sud bildet. Zuerst sind wir den Fluss ungefähr zwei Drittel hoch und haben dort eine Wanderung den Bachlauf aufwärts gemacht. Da sieht’s beispielsweise so aus:
Es gibt in solchen Bergbächen Kiesel noch und nöcher, von “fein wie Sand” bis “groß wie Bus”.
(Halb Off Topic: Letzte Woche hier im Radio wurde berichtet, dass in der Nähe ein heftiges Gewitter war, bei dem Hagelkörner groß wie Kieselsteine runter kamen - was glaubt ihr, wie ich mich darüber aufgeregt habe, weil die Maßeinheit “Kieselstein” seit diesem Urlaub für mich noch viel weniger Aussagekraft hat als die eh schon total ungenaue Fußballfeldanalogie!)
Eine Gumpe im ursprünglichen Sinn sieht beispielsweise so aus:
Wir sind dem Flusslauf ein paar hundert Meter aufwärts gefolgt, sind geklettert und gehüpft, haben gebadet und die tollen Steinformationen bewundert. Übrigens hat man nur sehr wenig Chancen, beispielsweise als Fotograf mit teurem Equipment neben so einem Bachlauf her zu klettern. Denn es kommen definitiv Stellen, an denen man ins Wasser muss. Wanderschuhe sind hier fehl am Platz.
Als die Kids nach ein paar Stunden genug hatten, haben wir umgedreht. Bei der Fahrt wieder den Berg runter habe ich das unverkennbare Auto meines Arbeitskollegen stehen sehen. Also musste ich eine Notbremsung einleiten und umdrehen. Wir haben dann den Rest des Tages eben weiter unten am Fiumicelli verbracht …
Dort ist auch nachfolgendes Foto entstanden.
Ein absolutes Highlight für die Kids: erst Klettern und dann ins Wasser hüpfen. Das geht bis zur totalen Erschöpfung. Gumpen Jumpen eben …
;-)
Was mich im Nachhinein gewundert hat, ist das super klare und dennoch leblose Wasser. Ich hätte mit Forellen gerechnet oder so, aber das einzige Lebendige, was ich im Wasser gesehen habe, waren Kaulquappen. Keine Algen, keine kleinen Fische, nix. Wahrscheinlich gibt’s erst viel weiter an der Mündung Leben.
Am Tag darauf bin ich früh aufgewacht, habe meine Knippse geschnappt und bin zum Strand getingelt. Ein richtig schöner Sonnenaufgang, und außer mir war niemand sonst am Strand.
Nach dem Frühstück haben wir uns aufgemacht nach Bonifacio. Geparkt haben wir im Haute Ville, quasi direkt auf den Klippen. Nach einer Tour durch die Stadt haben wir eine Bootstour gebucht und ein teures Mittagessen zu uns genommen. Die Menschen in Bonifacio leben sozusagen direkt am Abgrund. Dabei gehört der Kalkstein dort zu einem geologischen Phänomen, denn 95% der Küste von Korsika besteht aus anderen (haltbareren) Gesteinen. Ein paar Meter Westlich von Bonifacio gibt es gar eine Bucht, deren Westseite aus rotem Granit und die Ostseite aus dem weißen Kalkstein besteht.
Nach erfolgreicher Rückfahrt (der Hanshans meinte beim Anwerfen zurück zum Campingplatz in Bonifacio “Entfernung 85km, 1:45h”) haben wir eine ordentliche Pietrablume zum Grillen gebaut.
In so gut wie jedem Reiseführer gibt es Fotos vom Plage de Palombaggia. Weil der doch so toll sein soll. Zugegeben, ich kann dazu nichts sagen, weil ich mir den Strand von Palombaggia nicht selbst angeschaut habe.
Aber wir waren am Strand von Santa Giulia, und der lässt sich in seiner karibischen Anmutung irgendwie nicht so richtig toppen:
Am Folgetag kam meine Familie irgendwie nicht in die Pötte und es wurde wieder ein Pooltag. Ich habe mir die Zeit damit vertrieben, Düsenjäger zu knippsen. Denn etwas südlich von Ghisonaccia befindet sich die Militärbasis 126, und die hatten ein Fest organisiert:
Da flog so einiges über unseren Köpfen rum, zum Beispiel auch diese hier:
Und auf dem Campingplatz sah es wegen der vielen Piloten und Fallschirmspringern aus wie bei Top Gun.
Dann habe ich einen Tag Pause von allem gemacht und bin nicht aus dem Bett. Vermutlich ein SRS-Anfall (Stress Relief Syndrome).
Tags darauf war alles besser und wir haben eine kleine Tour durch den wilden Fium’Orbu gemacht. Die D344 hoch bis Ghisoni war schon deutlich abenteuerlich mit unserem großen Wagen (ja, ich weiß, dass es auf Korsika auch noch gaaaaanz andere Straßen gibt)
In Ghisoni haben wir ein lecker Eischen aus Porto Vecchio gegessen, den Neptun-Brunnen bestaunt und festgestellt, dass wir eigentlich falsch gefahren sind.
Weil eigentlich wollten wir schon auf halbem Wege links abbiegen um nach Pietrapola zu den heißen Quellen zu kommen.
Wir sind dann von Ghisoni aus wieder zurück gefahren und nach Pietrapola abgebogen, nur um festzustellen, dass die Therme (offenbar dauerhaft) geschlossen ist. Also sind wir runter zum Fluss getingelt und - siehe da! - dort läuft quasi das “Abwasser” der Therme! Schöne warme Pfützen mit leichtem Schwefel-Odeur und Fröschen (und Strempferskindern) drin!
Tags darauf haben wir einen “Geheimtipp” aus unserem Reiseführer ausprobiert, die Gumpen des Bucatoggio. Die Anführungszeichen rühren daher, dass dort ziemlich viel los war. Wahrscheinlich lag’s daran, dass der Reiseführer beim Buchversand grade Platz 1 bei den Korsika-Schinken ist.
Auf dem Foto sieht es vielleicht nicht so aus, aber dieser Wasserfall hat gut und gerne 5 Meter und macht ganz schön Krach!
Zurück vom Gumpen Jumpen und dem Wasserfall haben wir ein paar korsische Sachen käuflich erworben und uns einverleibt.
Am nächsten Tag haben wir einen Strandtag eingelegt. Die Kids sind zwischen Pool und Meer gependelt. Ich habe mich derweil mit der Kamera herumgetrieben und unschuldige Insekten geschossen. Zum Beispiel diese korsische Biene, die sicherlich zu dem formidablen korsischen Honig beigetragen hat, den wir uns zum Frühstück immer aufs Butterbaguette geschmiert haben.
Diese Heuschrecke habe ich nur gesehen, weil sie mir quasi vors Objektiv gehüpft ist. Mimikry at its best!
Wir haben für die Hinreise eine Moby-Übernachtfähre gebucht. Die fährt um 22:00 Uhr in Genua los und kommt am nächsten Tag um 7:00 Uhr in Bastia an. Dafür fährt sie extra langsam.
Wenn man dann morgens die Kamera über die Reling hebt und einfach dumm ein paar mal auf den Auslöser drückt, kann man auf den geschossenen Fotos beispielsweise sowas sehen, nämlich die Nordspitze von Korsika:
Nach dem “Débarquement” sind wir dann noch gut zwei Stunden von Bastia nach Ghisonaccia gefahren.
Die Anreise von Kreßberg nach Korsika dauert auf diese Art also knapp 24 Stunden - ein Flug in die Karibik ist schneller …
Wie immer haben wir feste an unserem Credo “Think Global - Drink Local” gearbeitet. Das einheimische Pietra-Bier hat es uns aber auch nicht allzu schwer gemacht … Neu für mich war, dass es Bier auch in Flaschen mit Sektkorken und Bügel-Wiederverschluss gibt:
Hier kommen zwei Fotos vom Anreisetag. Nämlich eins von unserer Hinwärts-Fähre, der Moby Drea:
Und eins vom Heck der Fähre runter mit Blick auf das hier weitgehend harmlos aussehende Genua.
Fotos aussortieren ist schon ein ziemlich undankbarer Job.
Ich mache das mit einem mehrstufigen Ansatz. Erstmal werden alle Fotos auf den Rechner kopiert, weil auf dem kleinen Display der Kamera sieht man ja reichlich wenig. Dann fliegen erstmal alle “handwerklich schlechten” Fotos raus. Das sind also die, die verwackelt sind oder bei denen der Fokus irgendwo ganz anders liegt oder die komplett falsch belichtet sind.
In einem zweiten Durchgang schmeiße ich dann Dubletten raus und die Fotos, die ästhetisch nicht passen. Wenn ich für eine Szene also ein paar Mal auf den Auslöser gedrückt habe, gewinnt davon eins. Wenn ein Bild nur eine nackige Mauer ohne was besonderes zeigt oder wenn ich erst überlegen muss, was ich da eigentlich knippsen wollte, dann ist ein Bild auch ein Abschusskandidat.
Bei der ersten Durchsicht habe ich nun erschreckend wenig verwackelte / unscharfe Bilder gefunden - umso schwieriger werden also die weiteren Sichtungsstufen. Ich bitte um Geduld!